Unsere Mitbewohner (die menschlichen und tierischen)

Kanada ist Deutschland relativ ähnlich. Klar, es gibt Stinktiere statt Katzen, die Fenster werden gekurbelt und die Restaurants machen am Samstag spätestens um zehn zu, aber sonst gibt es nicht allzu viele Unterschiede. Das hat den Vorteil, dass man sich nicht ganz so sehr umgewöhnen muss, andererseits wäre es auch spannend, völlig neue Kulturen kennenzulernen.

Dafür gibt es aber zum Glück unsere lieben Mitbewohner. 

Shiyuen hat chinesische Wurzeln, aber ihre Eltern kommen aus Vietnam, so richtig habe ich das nicht kapiert. Jedenfalls ist sie in der Schweiz aufgewachsen und weiß daher viel über die Mentalität der Asiaten zu berichten, was ganz praktisch dazu ist, Luke zu verstehen.

Luke ist ein total netter Typ. Er ist Koreaner und hat zwei paar Schuhe (jedenfalls zwei paar, die er benutzt). Das sind fast identische Turnschuhe, nur ist das eine Paar weiß, das andere Metallic-Lila.

Ich schreibe hier, weil ich doch noch mal loswerden muss, dass die beiden ernshaft einen Sack Reis gekauft haben. Keine große Tüte Reis, nein, einen ernsthaften Sack. Solche Säcke kauft man in Deutschland nur, wenn man zum Beispiel Holzkohle oder spezielle Erde kauft. Aber warum nicht? Sie essen wirklich die ganze Zeit Reis. Dafür werden wir ausgelacht für unser Brötchen-Frühstück. Der Reis muss auch immer verfügbar sein. Dafür heizt Tag und Nacht ein spezieller Reiskocher, damit ja kein Mangel entsteht. Da unsere Küche nur zwei Steckdosen hat, habe ich den Stecker mal rausgezogen, um den Toaster anzuschließen und vergessen, den Reiskocherstecker wieder reinzustecken. Ein fataler Fehler. Luke, der sonst immer gut drauf ist, ist ganz ernst zu mir gekommen um mir zu sagen, Lilo, vergiss das bitte nicht nochmal, dann haben wir nämlich nichts zu essen.

Luke hat neulich total erstaunt aufgeschrien, als er gesehen hat, wie Elena sich einen Honig-Toast macht. In Korea benutzt man Honig anscheinend nur zum kochen. Er hat sich ganz fasziniert selber auch einen gemacht, als wir das angeboten haben und fand es total lecker. 

Luke ist witzig und kindisch. Er guckt zur Zeit ständig Harry Potter. Shiyuen regt sich ständig über ihn auf. Andererseits ist er auch Manager eines Cafes, man sollte ihn also nicht unterschätzen.

Wir haben wirklich Glück mit den beiden. Sie sind total nett. Zwar regt es uns manchmal auf, wenn Luke seinen Abwasch, speziell eine Schüssel voller undefinierbarer roter Grütze, im Waschbecken stehen lässt, aber ansonsten gibt es keine Probleme.

Die ganze bedbug-Geschichte hat uns zusammengeschweißt. Ich nenne sie meine bed-bug-buddies.

Apropos, die bed bugs sind verschwunden, aber dafür haben wir jetzt neue Viecher. Luke und ich sind (bisher, und das bleibt hoffentlich auch so!!) nicht so stark betroffen, aber Elena und Shiyuen sind sehr zerstochen. Vor allem die arme Shiyuen, die schon am meisten von uns unter den bed bugs leiden musste. Aber Elena hats auch ziemlich erwischt, sie kratzt sich die ganze Nacht. Die neuen Viecher machen nicht viele kleine Stiche, sondern wenige einzelne große, die bei Shiyuen und Elena zu großen Beulen anschwellen. Das ist sehr geheimnisvoll. Was kann das sein, was so dicht auf die bed bugs gefolgt ist? Und warum ist Elena viel zerstochener als ich? Wir schlafen zur Zeit in einem Bett, da meins wegen allzu starken bed bug Befalls im Müll gelandet ist.

Die Kette der Insektengeschichten reißt nicht ab. Aber sonst ist alles in Ordnung bei uns.

8.11.11 06:55

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